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Die gelbe Wand

 

Sie ist 100 Meter breit, 52 Meter tief und 40 Meter hoch. Der Neigungswinkel am oberen Ende der Ränge beträgt 37 Grad – das kommt einer Skisprungschanze gleich. Hier, in der Südtribüne des Fußballclubs Borussia Dortmund schlägt das Herz des Vereins. 24.454 Fans stehen regelmäßig eng gedrängt nebeneinander und verschmelzen zur „gelben Wand“, der größten Stehplatztribüne Europas. Enorm, welche Anforderungen hier an Statik und Material gestellt werden, wenn 48.908 Beine zu den Fan-Gesängen auf und ab hüpfen.

Doch nicht immer war der Signal Iduna Park, früher Westfalen-Stadion, was er heute ist – das größte Stadion der Bundesliga. Insbesondere die Trägerkonstruktion des Daches stellte die Konstrukteure vor eine Herausforderung, denn früher ruhte es auf Pylonen, die im Sichtfeld der Zuschauer standen. Um die Tribünen für die Fan-Gemeinde freundlicher zu gestalten, musste ein aufwändiger Umbau in drei Phasen erfolgen – während des laufenden Spielbetriebs. Aufgrund der stark eingeschränkten Platzverhältnisse war ein hoher Vorfertigungsgrad für den Stahl- und Massivbau notwendig und die Fertigteilkonstruktionen mussten „just-in-time“ angeliefert werden.

Die acht 62 Meter hohen gelben Stahlpylonen, die nun das Stadiondach stützen und schon aus weiter Entfernung markant in den Himmel ragen, wurden während der dritten Ausbaustufe montiert. Die neue Haupttragstruktur ist eine Kombination aus Stahl (Stahl-Pylonkonstruktion), Stahlverbund (Verbundstütze, Stahleinbauteile, Rückverankerung) und Stahlbeton (Diagonalbalken mit vorderer aussteifender Scheibe).

Im Detail: Die Pylonkonstruktionen nehmen die Hauptträgerbelastung über Knotenbleche, die an die bestehenden Hauptträger geschweißt wurden, und Laschenverbindungen mit HV-Schrauben über Scher-Lochleibung auf. Die Zuglasten werden am Pylonkopf umgelenkt und über die hinteren Diagonalen bis in die Rückverankerungsprofile HE-M 500, die im Fundamentbalken untergebracht sind, geführt. Die hinteren Diagonalen sind über Schweißverbindungen jeweils an ein großes Stahleinbauteil, das u. a. aus einem großen Knotenblech mit t = 80 mm besteht, angeschlossen. So wird die Diagonalzugkraft in vertikaler Richtung mit der Druckkraft der Verbundstütze und in horizontaler Richtung mit der Zugkraft des einbetonierten Rückverankerungsprofils ins Gleichgewicht gebracht.

Besonders an diesem Pylontragsystem: In den hoch beanspruchten Stahl- und Verbundknotenpunkten überschreiten die zu übertragenden Kräfte den üblichen Rahmen bei Weitem. Aus diesem Grund mussten die Hauptknotenpunkte der Stahl- und Verbundstruktur bereits in der Entwurfsphase vor dem Hintergrund der Ausführbarkeit mit wirtschaftlich herstellbaren Stahlverbindungen vordimensioniert und im Rahmen der Ausführungsstatik weitgehend festgelegt werden. Bei allen geschraubten Knotenpunkten des Pylontragwerks wurden Scher-Lochleibungsverbindungen mit Schrauben M36-10.9 hergestellt. Die Profile und Knotenbleche bis t = 40 mm wurden in S 355 J2 G3 ausgeführt, Knotenbleche mit größeren Blechdicken wurden in S 355 NL ausgeführt.

Weiterführende Links:

Alle Detailinformation stammen aus dem Artikel „Arenen im 21. Jahrhundert: Westfalenstadion Dortmund“, der Teil des Sonderheftes „Arenen im 21. Jahrhundert – Leistungsschau des Stadionbaus“ und online bestellbar ist. Passend zum Thema erschien im Ernst & Sohn Verlag der „StadiumATLAS“, eine gebäudetypologische Planungsgrundlage für den Tribünenbau moderner Sport- und Veranstaltungsstätten. Die baurechtlichen Grundlagen und die Vorgaben von Sportverbänden werden analysiert und zueinander in Beziehung gesetzt. Ein Probekapitel zum Buch gibt es hier.

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Co-Autoren von Hardware Cologne

Rainer Langelüddecke
Rainer Langelüddecke
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