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Finanzieller Albtraum, architektonischer Elbtraum

 

Die hamburgische Elbphilharmonie soll das schillernde Aushängeschild der Hafenstadt werden. Ob es dazu kommen wird, hängt jedoch davon ab, wie es mit den Baumaßnahmen weitergeht. Unzählige Kostenexplosionen und Bauzeitverlängerungen machen die Errichtung der sogenannten „gläsernen Welle“ zum öffentlichen Ärgernis. Wie viel der Steuerzahler von den Mehrkosten übernehmen wird – aus angesetzten 77 Mio. Euro werden nun mindestens 323 Mio. Euro –, ist noch offen. Star-Architekt Pierre de Meuron (61) kritisierte vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss Elbphilharmonie am 17.11.2011, die Projektgesellschaft Adamanta (ein Konsortium aus dem Baukonzern Hochtief und der Commerz Real AG) hätte fast jede Schraube mit einer Mehrkostenforderung versehen.

Lässt man die Streitigkeiten um dubiose Kostenkalkulationen und kaum nachvollziehbare Bauzeitverlängerungen außen vor, übt Europas größte Kulturbaustelle schon jetzt in vielerlei Hinsicht eine große Faszination aus. Für alle Spezialisten aus der Bau- und Handwerksbranche interessant: Das Gesamtgewicht des Hauses beträgt sage und schreibe 200.000 t, die Bruttogeschossfläche etwa 120.000 qm. Elegante, gebogene und gekrümmte Formen stehen im Fokus. Dafür benötigen die Konstrukteure vor allem Stahl – ganze 8.000 t werden verbaut.

Ein typisch hamburgischer roter Backsteinbau, der ehemalige Kaispeicher A, bildet das Fundament des Bauwerks. Da die Wände nach Entkernen des Grundrisses in sich zusammengefallen wären, wurden diese mit acht Stahlbändern von jeweils 340 m Länge eingefasst. 650 Stahlbetonpfeiler im Elbschlick ergänzen mittlerweile die bereits bestehenden 1.111 Pfeiler und verleihen dem Gebäude die nötige Standfestigkeit.
Die schillernde Visitenkarte des Gebäudes nach außen ist sicherlich die Glasfassade, bestehend aus etwa 1.096 einzelnen Elementen mit einer Gesamtoberfläche von spektakulären 21.500 qm, die auf innovativem Wege hergestellt werden.

Die Oberfläche der einzelnen Scheiben ist in definierten Bereichen unterschiedlich verformt: Wellenförmige Luken im Hotelbereich des Gebäudes werden zu Lüftungsflügeln, die Balkone der Wohnungen sind als hufeisenförmige Ausschnitte gestaltet. Ein auf die Fassade gedrucktes, aus Chroma-Punkten bestehendes Raster dient als Sonnenschutz und Gestaltungselement, das die Reflexion des Lichts auf der Außenfassade verstärkt. Die Rasterdichte wurde computergestützt berechnet, individuell für die jeweilige Nutzung der Räume im Inneren. Die multifunktionalen Isoliergläser – hergestellt vom Gundelfinger Nischenanbieter Josef Gartner – sind weltweit einmalig und jedes Element ein Unikat. Die besondere Lage am Hamburger Hafen führte dazu, dass eine Radardämpfung in der Fassade für den Hamburger Schifffahrtsbetrieb integriert wird. Durch einen verstärkten Druckanteil auf der West- und Südseite in einer bestimmten Höhenlinie der Glasfassade erkennen Radare der einlaufenden Schiffe die Elbphilharmonie.

Miteinander verbunden werden die Glaselemente durch Stahlbefestigungen mit vorgehängten Trägermodulen, die über ein Gewinde justierbar sind. Mehr verrät der Hersteller nicht. Schließlich soll die außergewöhnliche Verfahrensweise der Josef Gartner GmbH einmalig bleiben.

Es bleibt zu hoffen, dass die aktuellen Streitigkeiten schnellstmöglich beigelegt, die Baumaßnahmen erfolgreich fortgesetzt werden können und sich Hansestädter, Touristen und Kulturliebhaber aus aller Welt bald an der Elbphilharmonie erfreuen werden.

Weiterführende Links:

Öffentliche Baustellenbesichtigungen der ElbphilharmonieVortrag zum Thema auf den Münchener Stahlbautagen am 25.11.2011

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Rainer Langelüddecke
Rainer Langelüddecke
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